Stabilität und Wandel

Stabilität und Wandel

„Zu einer Wandlung der Branchenmessen führen neue Technologien und schnelle Innovationszyklen“

Mit dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) gewinnt der AUMA 2026 ein neues Mitglied aus einem in seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung deutlich gewachsenen Sektor.

BDSV-Geschäftsführer Roland Haag ordnet im Interview ein, welche Rolle Messen in dem sensiblen und dynamischen Umfeld spielen und wie sie Innovationen, Kooperationen und politische Dialoge fördern.

© ILLING & VOSSBECK FOTOGRAFIE

Mit welchen Erwartungen tritt Ihr Verband an die Messewirtschaft heran – und welche Rolle sollen Messen künftig für Ihre Mitgliedsunternehmen spielen?

Die derzeitigen sicherheitspolitischen Herausforderungen bringen es mit sich, dass die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in den vergangenen Jahren eine deutlich gestiegene strategische Bedeutung erlangt hat. Das Bundeswirtschaftsministerium hat diese Bedeutung erkannt und den bis 2025 gültigen Ausschluss von Verteidigungsmessen im Auslandsmesseprogramm des Bundes, kurz AMP, aufgehoben. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des AUMA wollen wir dazu beitragen, dass unsere Unternehmen an der Messeförderung des Bundes teilhaben können und der Bereich Sicherheit und Verteidigung fest im Auslandsmesseprogramm Deutschlands verankert ist und bleibt.

Das Interesse an Sicherheits- und Verteidigungsthemen hat deutlich zugenommen. Welche Bedeutung haben Messen aus Ihrer Sicht, um diese sachlich, transparent und branchenübergreifend einzuordnen?

Steigende Verteidigungsausgaben, kurzfristig zu erfüllende militärische Bedarfe, die hierfür erforderlichen industriellen Kapazitäten und Lieferketten führen derzeit zu einer Wandlung der Branchenmessen, ebenso neue Technologien und mit diesen einhergehende schnellere Innovationszyklen. Messen im Bereich Sicherheit und Verteidigung sind klassischerweise Ausrüstermessen, das heißt, sie richteten sich bisher primär an die staatlichen nationalen oder internationalen Kunden. Eine relativ neue Entwicklung ist, dass sich viele dieser Messen zunehmend auch für Zuliefererunternehmen jenseits Tier 1, also der direkten Zulieferer, öffnen und inhaltliche Programmkomponenten enthalten, die die zuvor angerissenen Themenfelder aufgreifen.

Dies erfolgt oft auch jenseits der klassischen Branchenabgrenzung im gemeinsamen Austausch mit anderen Industriebereichen, Politik und Forschung. Vor diesem Hintergrund können Messen dabei helfen, industrielle Leistungsfähigkeit, technologische Innovationskraft und internationale Vernetzung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zusammenzubringen. Die internationalen Fachmessen tragen dazu bei, die Einbindung der deutschen Industrie in europäische und transatlantische Kooperationen und die Innovationskraft unserer Branche dem internationalen Publikum sichtbar zu machen.

„Der direkte persönliche Austausch bleibt in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ein entscheidender Faktor. Anders als in digitalen Formaten können neue Technologien und Innovationen hier unmittelbar erörtert und erlebt werden.“

Welche spezifischen Mehrwerte bieten Messen im Vergleich zu rein digitalen Formaten?

Der direkte persönliche Austausch bleibt in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ein entscheidender Faktor. Anders als in digitalen Formaten können neue Technologien und Innovationen hier unmittelbar erörtert und erlebt werden. Zudem bieten Messen einen Raum zum Netzwerken, der sich digital einfach nicht ersetzen lässt. Gerade für Kooperationen, Partnerschaften oder strategische Gespräche mit politischen Akteuren ist dieser persönliche Rahmen von großer Bedeutung.

Welche Anforderungen stellt der BDSV an Messeformate?

Für unsere Branche ist zunächst zentral: Der Messe muss es gelingen, die Kundenklientel der ausstellenden Unternehmen als Messeteilnehmer zu gewinnen. Dies sind primär weiterhin die internationalen und die nationalen staatlichen Kunden. Danach hängt es von der Ausrichtung der Messe ab, ob es zum Beispiel einen Schwerpunkt in Richtung Lieferketten oder Technologie geben soll. Sollte man sich dafür entschieden haben, die Messe auf Lieferanten unterhalb der ersten Zuliefererebene zu öffnen, muss ein geeignetes Gesamtkonzept bestehen, die Messe für alle Aussteller attraktiv zu gestalten, damit am Ende nicht – wie mehrfach zu beobachten war – der Vertrieb des Zulieferers mit dem Vertrieb des Herstellers spricht, was am Ende für beide Seiten meist wenig bringt.

Können Messen als Seismograf für neue Themen und Märkte zur Resilienz der Branche beitragen?

Ja, Messen können hier eine wichtige Rolle spielen. Gerade die Diskussionen auf und am Rande der Messe hinterlassen einen recht unmittelbaren Eindruck, wo aktuelle Herausforderungen für die Branche und ihr Umfeld bestehen. Dazu gehören neben technologischen Trends auch strategische und sicherheitspolitische Fragen. Wer dies als Messeveranstalter gut zu nutzen weiß, ist gut aufgestellt.

Die Fragen stellte Anne Böhl, Managerin Media im AUMA.

Roland Haag (Jahrgang 1978) ist seit Januar 2026 Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) sowie von BDSV Exhibitions. Zuvor war er seit 2018 als Abteilungsleiter Wirtschaft und Recht beim BDSV tätig.