Editorial

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„Eine gute Portion Zuversicht und gutes Handwerk werden uns auch durch diese Zeiten bringen“

Die Messewirtschaft ist eine Branche, die Wandel nicht nur erlebt, sondern gestaltet. Seit jeher bringt sie Menschen, Märkte und Ideen zusammen – und beweist dabei immer wieder ihre Anpassungsfähigkeit.

Philip Harting, AUMA-Vorsitzender

© AUMA | Steffen Kugler

Resilienz bedeutet für die Messewirtschaft – bestehend aus Ausstellern, Veranstaltern und den Besucherinnen und Besuchern – daher mehr als bloßes Durchhalten. Resilienz bedeutet, Veränderungen früh zu erkennen, sich strategisch weiterzuentwickeln und zugleich ein großes Maß an Stabilität zu bieten. Das ist die Stärke unserer Branche: das Zusammenspiel aus professioneller Verlässlichkeit, hoher Innovationskraft und internationaler Vernetzung. Und die Messewirtschaft in Deutschland ist gut aufgestellt, diese Stärke auch in Zukunft zu zeigen – wenn wir die richtigen Schwerpunkte setzen.

Drei Gedanken sind dabei besonders entscheidend:

Verlässlichkeit sichern

In einer Zeit lange nicht gekannter geopolitischer Spannungen und neuer wirtschaftlicher Unsicherheiten wird Verlässlichkeit zum zentralen Wettbewerbsvorteil. Deutschland ist nicht zufällig Heimat von zwei Dritteln aller Weltleitmessen. Diese Position gilt es zu sichern, besser noch auszubauen durch Stabilität, aber ebenso durch mehr Geschwindigkeit und eine höhere Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Die deutsche Messewirtschaft ist ein Stabilitätsfaktor: Sie steht für mehr als 280.000 Jobs, für rund 30 Milliarden Euro Wertschöpfung und für 5,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen für Bund, Länder und Kommunen jährlich. Das ist ein richtig starker Beitrag für Hunderttausende ausstellende Unternehmen, Hunderte Branchenplattformen jährlich sowie für lebendige Stadtgesellschaften und kluge Wirtschaftspolitik.

Resilienz entsteht genau aus diesem Zusammenspiel. Wir müssen schneller und zuverlässiger werden, um als starker Wirtschafts- und Rechtsraum und als weltweit verlässlicher Messe- und Handelsplatz Deutschland verstanden zu werden.

„Resilienz entsteht genau aus diesem Zusammenspiel. Wir müssen schneller und zuverlässiger werden, um als starker Wirtschafts- und Rechtsraum und als weltweit verlässlicher Messe- und Handelsplatz Deutschland verstanden zu werden.“

Wirtschaftspolitik muss spürbar sein

Wir als deutsche Messewirtschaft haben unsere Forderungen an die Politik vor der Bundestagswahl 2025 klar formuliert. Die Umsetzung bleibt im ersten Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ein deutlicher Bürokratieabbau, viel mehr digitale Prozesse und eine Außenwirtschaftsförderung für eine Exportnation ersten Ranges sind zentrale Voraussetzungen für einen starken Wirtschaftsstandort, werden aber viel zu zögerlich vorangetrieben.

Besonders kritisch sehen wir, dass die bislang sehr erfolgreiche Förderung internationaler Messebeteiligungen schleichend unter Druck gerät, während unsere Nachbarn ihre Förderprogramme gezielt ausbauen. Dabei ist ihr Nutzen unbestritten: Das Auslandsmesseprogramm stärkt seit 1949 Exportchancen deutscher Unternehmen, sichert klar Arbeitsplätze im Inland und erzeugt ein Vielfaches an Wertschöpfung.

Die Herausforderungen sind lösbar – weil größtenteils hausgemacht. Entscheidend ist Tempo: Egal ob Messeförderprogramm, Ausbau der Mobilitätsinfrastruktur oder die Digitalisierung der Visumvergabe: Geschwindigkeit ist heutzutage ein wesentlicher Faktor. Viele Länder Asiens machen es uns schon seit Langem vor.

Die Herausforderungen sind lösbar weil größtenteils hausgemacht. Entscheidend ist Tempo.

Aussteller im Fokus

Messen sind und bleiben ein unverzichtbares Instrument im Marketing‑Mix der ausstellenden Unternehmen, zeigen unsere regelmäßigen Befragungen. Gerade in anspruchsvollen Zeiten gilt jedoch mehr denn je: Messebeteiligungen müssen sich rechnen. Dafür tragen Veranstalter und Aussteller gemeinsam Verantwortung.

Mit dem neuen „M1 – Zukunftskongress Messe“ haben wir ein Forum geschaffen, in dem ausstellende Unternehmen voneinander lernen und besser verstehen, wie erfolgreiche Messeauftritte gelingen. Solche Best Practices unterstützen die strategische Ausrichtung. Ebenso wichtig ist es, den Mehrwert von Messen stärker und zeitgemäßer zu kommunizieren.

Wir leben in anstrengenden Zeiten. Zuversicht hat uns durch die Corona-Pandemie getragen. Gutes Handwerk, starke Vernetzung und ein feines Gespür für Chancen prägen unsere Branche – und machen ihre Resilienz aus.

Eine gute Portion Zuversicht und gutes Handwerk werden uns auch durch diese Zeiten bringen. Da bin ich mir sicher. Wir sind Erschütterungen gewohnt. Sie werfen uns nicht um.

Ihr

Philip Harting

Juli 2026

Philip Harting (Jahrgang 1974) ist 2025 als AUMA-Vorsitzender für eine dritte Amtszeit von drei Jahren gewählt worden. 2019 wurde er erstmals zum Vorsitzenden gewählt, seit 2008 ist er im AUMA-Vorstand aktiv. Harting ist Vorstandsvorsitzender der gleichnamigen Technologiegruppe, die auf vielen nationalen und internationalen Messen als ausstellendes Unternehmen vertreten ist. Er engagiert sich seit 2014 im Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) und gehört seit 2023 dessen Vorstand an.