Stabilität und Wandel

Stabilität und Wandel

„Messen ermöglichen den direkten Transfer von Forschung in den Markt“

Der Messearbeitskreis Wissenschaft (MAK) erschließt gezielt akademische Start-ups als Aussteller von morgen. Viktoria Fitterer und Dr. Thorsten Knoll erklären im Interview, wie Hochschulen junge, forschungsgetriebene Teams an Messebeteiligungen heranführen und wo die größten Hürden liegen.

Viktoria Fitterer, Vorsitzende des MAK und Leiterin Kommunikation und Marketing am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

© Sebastian Seibel

Dr. Thorsten Knoll, Mitglied im Vorstand des MAK sowie Prokurist und Abteilungsleiter Messe und Kongresse in der TUB/CO GmbH an der Technischen Universität Berlin

© TUB/CO

Wie gelingt es den Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Start-ups an Messebeteiligungen heranzuführen?

Viktoria Fitterer: Über die Beteiligung an Gemeinschaftsständen, die organisatorische und finanzielle Hürden senken, gelingt das vor allem. Wichtig ist außerdem, den Mehrwert von Messen nicht nur als Vertriebsplattform, sondern als Raum für Marktvalidierung, Partnergewinnung und Feedback zu vermitteln.

Die größten Hürden sind die oft noch geringe Marktreife, knappe personelle Ressourcen und eine gewisse Distanz zur Messekultur. Viele Teams kommen aus der Forschung und müssen erst lernen, ihre komplexen Technologien verständlich und zielgruppenorientiert zu kommunizieren.

„Gerade für wissenschaftsnahe Start-ups sind Messen häufig der Moment, in dem aus einer vielversprechenden Innovation ein marktfähiges Produkt wird.“

Viktoria Fitterer

Warum sind Messen der Katalysator, um Ideen aus den Hochschulen erfolgreich in die Praxis zu übersetzen?

Viktoria Fitterer: Messen ermöglichen den direkten Transfer von Forschung in den Markt. Ideen aus Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Forschungsorganisationen treffen dort in kürzester Zeit auf Unternehmen, Investoren und potenzielle Anwender. Dieses unmittelbare Feedback hilft, Technologien zu validieren, Anwendungspotenziale zu schärfen und Kooperationen anzustoßen. Gerade für wissenschaftsnahe Start-ups sind Messen häufig der Moment, in dem aus einer vielversprechenden Innovation ein marktfähiges Produkt wird.

Auf der MAK-Sommertagung 2026 standen Best Practices von Gründern im Fokus, die durch Hochschul-Messebeteiligungen erfolgreich wurden. Welche Erfolgsfaktoren lassen sich daraus ableiten?

Thorsten Knoll: Erstens eine frühzeitige und gezielte Vorbereitung auf den Messeauftritt mit klaren Zielen und einer passgenauen Ansprache der Zielgruppen. Zweitens die Fähigkeit, komplexe Technologien verständlich und anwendungsorientiert zu kommunizieren. Und drittens die konsequente Nachbereitung der geknüpften Kontakte.

Die drei Gründer, die ihre Erfahrungen geschildert haben, waren vor allem deshalb erfolgreich, weil sie Messen nicht als einmaliges Event verstanden haben, sondern als strategischen Baustein für Netzwerkaufbau, Validierung und Markteintritt.

„Entscheidend ist, Messen nicht nur als Ausstellungsfläche zu positionieren, sondern als Ökosystem für Vernetzung, Sichtbarkeit und Marktzugang.“

Thorsten Knoll

Was können Messeveranstalter tun, um dieses Potenzial an akademischen Innovationsgebern künftig noch besser und früher zu erschließen?

Thorsten Knoll: Messeveranstalter können akademische Entrepreneure und Intrapreneure frühzeitig in ihrer Entwicklung abholen. Dazu gehören niedrigschwellige Angebote wie spezielle Transferformate, bezahlbare Beteiligungsmöglichkeiten und gezielte Begleitprogramme. Ebenso wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit Hochschulen, Transferstellen und Gründungszentren. Entscheidend ist, Messen nicht nur als Ausstellungsfläche zu positionieren, sondern als Ökosystem für Vernetzung, Sichtbarkeit und Marktzugang.“

Der MAK regt ein Bundesprogramm zur Förderung von Gemeinschaftsständen für die Wissenschaft an. Welche Ausgestaltung wäre aus Ihrer Sicht notwendig, um junge Messeteilnehmer nachhaltig zu entlasten?

Viktoria Fitterer: Ein solches Förderprogramm sollte konsequent auf Entlastung und Niedrigschwelligkeit ausgerichtet sein. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind auf eine hohe Förderquote angewiesen, um ihre Forschung sichtbar machen zu können.

Darüber hinaus leisten Hochschulen und Forschungseinrichtungen einen wichtigen Beitrag zum Technologietransfer – etwa durch Patente, Lizenzen oder die Anbahnung von Kooperationen. Technologiemessen bieten hierfür einen geeigneten Rahmen, um diese Angebote gezielt an die Wirtschaft heranzutragen.

Unterstützend braucht es eine professionelle organisatorische Infrastruktur – von Standbau über Logistik bis hin zu Kommunikationsmaterialien –, damit sich die Aussteller auf Inhalte und Gespräche konzentrieren können. Wichtig ist außerdem ein inhaltlicher Rahmen mit vorbereitendem Coaching und gezieltem Matchmaking, etwa mit Industriepartnern und Investoren. So wird aus dem Gemeinschaftsstand nicht nur eine Kostenteilung, sondern ein echter Marktzugang.

Wie viele Messebeteiligungen organisiert der MAK jährlich?

Thorsten Knoll: Eine einheitliche Zahl gibt es dafür nicht, weil der MAK keine festen, jährlichen Gesamt-Messebeteiligungen als zentrale Kennzahl organisiert. Die Beteiligungen entstehen vielmehr dezentral über die jeweiligen Hochschulen, Transferstellen und Verbundprojekte je nach Förderlinie, Messeformat und thematischem Schwerpunkt. Der Messearbeitskreis selbst koordiniert eher den Austausch von Best Practices und Rahmenbedingungen für Gemeinschaftsstände, nicht eine feste Anzahl einzelner Messeauftritte. Kurz gesagt: Die Zahl der Messebeteiligungen hängt stark von Programmen, Förderkulissen und den beteiligten Einrichtungen ab.

Die Fragen stellte Max Reichert, Manager Business Insights. Er vertritt den AUMA im Messearbeitskreis Wissenschaft.

Viktoria Fitterer ist Journalistin mit Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung. Seit 2026 verantwortet sie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Bereich Kommunikation und Marketing. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Messearbeitskreis Wissenschaft e. V. (MAK), dessen Vorsitz sie seit 2023 innehat. In dieser Funktion setzt sie sich insbesondere für die Gewinnung neuer Mitglieder sowie die Vernetzung mit Förderern und Partnern ein. Ihre berufliche Laufbahn am KIT begann Fitterer 2005 im Veranstaltungsteam, das sie später leitete.

Dr. Thorsten Knoll ist Prokurist und Abteilungsleiter Messe und Kongresse in der TUB/CO GmbH an der Technischen Universität Berlin. Er arbeitet dort seit 2001 im Veranstaltungsmanagement und verantwortet die konzeptionelle und organisatorische Durchführung von wissenschaftlichen Ausstellungen, Fachmessebeteiligungen, Kongressen und Tagungen sowie der Jobwunder-Karrieremessen der Universität. Seit 2015 engagiert sich Knoll ehrenamtlich im Vorstand des Messearbeitskreises Wissenschaft.